Mythos Galizien

Ausstellung im Wien Museum

Armenhaus Europas wurde Galizien, gelegen am äußersten Rand des Habsburger Reiches, um 1900 genannt. Hunger, Elend und Not trieben an der Wende zum 20. Jhdt. über 1 Million Menschen in die Flucht. So mancher galizische Auswanderer strandete in Wien. Getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben, bestiegen jedoch die meisten einen Ozeandampfer in die neue Welt. Anna S. wollte aber weder nach Amerika, noch hat sie Galizien freiwillig verlassen. Die junge Jüdin war einem der berühmt-berüchtigten Mädchenhändler der Monarchie zum Opfer gefallen. Nach Südamerika verschleppt und am Rande ihrer Kräfte versuchte Anna S. ihre Peiniger zu Fall zu bringen. Ihre in holprigem Deutsch geschriebene Anzeige an die Wiener k.k. Polizeidirektion blieb jedoch unbeantwortet. wesearch recherchierte diese und andere Geschichten aus Galizien im Auftrag des Wien Museum für die Ausstellung „Mythos Galizien“, die von 26.03. – 30.08.2015 im Wien Museum präsentiert wurde.

Mythos Galizien, Ausstellungskatalog, hrsg. von Jacek Purchla, et al., 2015

Filmprojekt: Wien 1900 - 1950

Recherche für die Harvard University

„N.S.D.A.P Hitlerbewegung“ in Österreich sei er, rühmte sich Josef R. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1938 rückte sich der glühende Nationalsozialist Josef R. ins „rechte Licht“ – wollte er sich doch – wie viele andere Wiener und Wienerinnen - unter die Profiteure einreihen. Aus dem Mieter einer einfachen Zimmer-Küche-Kabinett Wohnung wurde ein Haus- und Fabrikbesitzer, der auch nach der Befreiung Österreichs im Jahr 1945 und trotz seiner Verurteilung zu schwerem Kerker letztlich nichts von den österreichischen Gerichten zu befürchten hatte. Für ein Filmprojekt der Harvard University zu Wien 1900 – 1950 hat wesearch u.a. die Spuren von Josef R. nachgezeichnet.

Marion Krammer mit dem Filmteam der Havard University im Depot des Österreichischen Staatsarchivs

Hinter den Kulissen des Sacher

Buchprojekt über das legendäre Hotel

„Schön anschauen“, notierte Karl Kraus in seiner Fackel, würde ein Wiener Fiaker einen Grafen, falls sich der ins „Kochkunsteden der Frau Anna Sacher“ kutschieren lassen wolle. Ob sich im Hotel Sacher denn nie auch nur ein einziger Graf einfand, kann getrost bezweifelt werden. Karl Kraus jedenfalls ätzte weiter, dass einer Wiener Tradition entsprechend, „die Erzherzöge alle, und nur solche zu Sacher gehen“. Anna Sacher, die charismatische Hotelerbin mit einer Vorliebe für französische Bulldoggen, führte das Familienunternehmen nicht nur Zigarre rauchend zum Welterfolg. Dank der Intrigen und Eskapaden seiner Gäste war das Sacher über Jahrzehnte Stadtgespräch. wesearch blickte für ein Buchprojekt der Autorin und Filmemacherin Monika Czernin hinter die Kulissen des Sachers.

Monika Czernin, Das letzte Fest des alten Europa. Anna Sacher und ihr Hotel, 2014

KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Recherchen für die neue Dauerausstellung

Helena M. war eine der über 570 Frauen, die zwischen 1944 und 1945 im KZ-Lenzing, einem Außenlager des KZ-Mauthausen, zur Zwangsarbeit in der Zellwollfabrik gezwungen wurde. Ihre dort getragene Häftlingsjacke bewahrte sie fast 70 Jahre lang auf. Nun wird sie, wie auch andere von wesearch recherchierte Ausstellungsobjekte, in der 2013 eröffneten neuen Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen präsentiert.

Der Tatort Mauthausen. Eine Spurensuche, Ausstellungskatalog, 2013

Archivaufarbeitung des Syndikats der Pressephotographen Österreichs

Im Jahre 1947 wurde die bis heute aktive Berufsvereinigung Syndikat der Pressephotographen und Pressebildagenturen Österreichs gegründet. Mit einer Ausstellung im Westlicht von 25.10.-05.11.2017 feierte sie ihr 70jähriges Jubiläum. Erst im Jahre 2014 tauchte das lange für verschollen gehaltene Archiv des Syndikats wieder auf und wurde dem Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien geschenkt. Marion Krammer und Margarethe Szeless haben die Archivalien erschlossen und wissenschaftlich bearbeitet. Über die Anfänge der Berufsvereinigung, die Ausdifferenzierung der Branche und die zentralen Impulsgeber des österreichischen Pressebildermarktes nach 1945 berichten sie in ihrem Katalogbeitrag zur Ausstellung.

Aufnahmebogen von Alexander Niedermeyer, 1947, Bestand Syndikat, Archiv Institut f. Publizistik/Wien

Abschluss des FWF-Forschungsprojektes „War of Pictures“

Von 2014 bis Ende 2018 forschen Marion Krammer und Margarethe Szeless am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien zur österreichischen Pressefotografie zwischen 1945 und 1955. Erstmals wurden die Biografien von rund 200 damals tätigen PressefotografInnen erfasst und in einer Datenbank zugänglich gemacht. Weitere Schwerpunkte des Projekts: die Erforschung der alliierten Bilderdienste und eine Analyse der Bildpropaganda im Kalten Krieg. Die Forschungsergebnisse des Projekts wurden von 4. bis 6. Oktober 2017 auf einer international besetzten Konferenz in Wien präsentiert und diskutiert.

Die österreichische Besatzungszeit als multi-mediale Online-Ausstellung

Forschungsergebnisse in ansprechender Form an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln, ist der Anspruch von Wissenschaftskommunikation. Mit finanzieller Unterstützung des FWF und in Kooperation mit KollegInnen vom Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung entwickelten wir die Online-Ausstellung „War of Pictures. Österreichische Bildkultur 1945 bis 1955“. Darin lässt sich Zeitgeschichte im Spiegel ihrer medialen Berichterstattung erleben. Zugleich aber werden Pressebilder und ihre Inszenierung kritisch hinterfragt und somit Medienkompetenz vermittelt. Die Ausstellung richtet sich an eine breite Öffentlichkeit sowie an SchülerInnen, die in Workshops und mit weiterführenden didaktischen Materialien zur Vertiefung in die Thematik angeleitet werden sollen.

War of Pictures, Screenshot Online-Ausstellung